Vergessen und Verdrängen

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Mittwoch, 28. August 2013

Vor einiger Zeit begehrte ich eine ungemein kluge und attraktive Frau sehr, und unsere zustande gekommene Vereinigung bescherte uns wohlige Monate. Bis sie eines Tages davon zu erzählen begann, sie sei erleuchtet worden. Da ich mich seit je jenseits von Gott und Böse befinde, kam zum unvermeidlichen Bruch zwischen uns.

Dazu kam es auch zwischen dem jungen Filmemacher David Sieverking und dessen Freundin, denen ich gestern spätnächtens auf Arte begegnete. Der Grund: David Lynch und dessen Verehrung bzw. Propagandatätigkeit gegenüber respektive für die «Kirche» der Tranzendentalen Meditation. Der und damit Lynch gehörte die eigenliche Liebe der jungen Frau.

Ich war ziemlich mitgenommen von diesem Film. Das lag allerdings nicht so sehr an der Parallelität der Schicksale unserer Lieben. Es lag an der Tatsache, der Einbildung unterlegen zu sein, Hans Pfitzinger und mir sei es in den Siebzigern gelungen, diesen seltsamen, spirituelle Ehrfurcht predigenden, weltweit agierenden komischen Verein journalistisch niedergerungen zu haben mit unseren Aufzeichnungen zur Suche nach der geistigen Gesundheit – und mit ihm gleich noch einige andere ihrer Art gleich mit. Da ich jahrzehntelang nichts mehr von diesen ganzen Menschenverdummern gehört und gelesen hatte, war ich mir unseres Sieges gewiß. Weit gefehlt.

Gestern erfuhr ich, das Vermögen dieser abseitigen Führer durch eine göttliche Welt sei mittlerweile auf geschätzte fünf Milliarden US-Dollar angewachsen. Das zeigte sich teilweise in Bildern von irrwitzigem, die Nähe zu antiken Königen suggerierendem Protz, in ungemein lächerlichen Kostümen der selbsternannten geistigen Führer, die selbst im Carneval von Rio auffallen würden. Doch es handelt sich keineswegs um eine karnevalistische Veranstaltung. Das ist, bis zu den Schlachten um Führungspositionen dieses Unternehmens, bitterer Ernst. Nahost scheint friedenbewegter zu sein.

Was mir bleibt, ist die Erkenntnis, über lange Zeit tief geschlafen zu haben. Ich war ziemlich sicher, die Sekten seien im wesentlichen verwest. Auch konnte ich mir nur unter größten Erschwernissen vorstellen, es gäbe so unendlich viele Menschen, die von allem anderen gesteuert sein könnten als von klaren Gedanken. Die vielen Kirchenaustritte der letzten Jahre schienen mir Beweis genug. Doch nun weiß ich: Nein, sie haben lediglich den Verein gewechselt.

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